Unsere Reise in das Baltikum

Karten

Hier findet ihr die Karten zu unserer Tour mit den Orten, an denen wir uns aufgehalten haben.

Daugava

Nach unseren erholsamen Urlaubstagen bei Anita geht es nun weiter in südwestlicher Richtung. Nach wenigen Kilometern parken wir in Aglona an der Basilika. Die weiße spätbarocke Kirche wurde zu ihrem 200. Jubiläum herausgeputzt, schließlich wurde der Pabst persönlich erwartet. Zu diesem Ereignis kamen 300.000 Gläubige nach Aglona. Eine Marienikone im Altarraum lockt jährlich Zehntausende Pilger nach Aglona. Sie laben sich an der heiligen Quelle am Ufer des Eglesees in der Nähe der Basilika. Uns fehlt der rechte Glaube an die Wirkung des heiligen Wassers…

Aglona Novads

Die Aglona Novads ist eine kleine Seenplatte in Lettland, genauso durch die Eiszeit geformt wie die in Mecklenburg. Kleine, miteinander verbundene, Seen umstanden von Wäldern prägen das Landschaftsbild. Schade dass wir kein Paddelboot dabei haben.

Nachdem wir die Kräuterfee Anita und ihren wunderbaren Platz Zemenu krastini am See kennengelernt haben, beschließen wir, ein paar Tage Urlaub zu machen. Zur herzlichen Begrüßung gab es selbstgemachten Birkenkäse, Vollkornbrot, gesunden Kuchen und Tee aus frischen Kräutern…

Nordosten Lettlands

Die Stoßdämpfer unseres Wohnmobils bemerken es zuerst: Wir sind wieder in Lettland, die Straßen sind hier oft etwas holprig. Das ehemalige Grenzgebäude auf lettischer Seite ist heute ein Alkoholgeschäft. Der Parkplatz davor ist gut gefüllt mit estnischen Autos. Hier kann man so manchen Euro sparen.

Die kleine Stadt Alüksne am gleichnamigen See ist unser erstes Ziel auf der Rückreise durch Lettland. Ein altes Schloss nach Art der Tudors und dazu ein gepflegter Schlosspark laden zum Spazieren ein. Wir übernachten auf einem Campingplatz direkt am See. Leider regnet es hin und wieder, also machen wir es uns drinnen gemütlich…

Südosten Estlands

Auf unserer Weiterfahrt in östliche Richtung geraten wir in das Gebiet südlich um Tartu, in dem die Rallye Estland stattfindet. An verschiedene Orten finden die Sprintprüfungen statt und zwischen den Prüfungen bewegen sich die Rallyeboliden durch den normalen Straßenverkehr (nach Verkehrsregeln) und die Zuschauer strömen hinterher (manch einer als Möchtegernprofi). An den Geländeabschnitten der wir dann der Randstreifen zugeparkt und es ist kaum ein Durchkommen – wir sind froh, dass wir ein kleines Wohnmobil haben, müssen nur hin und wieder beim Rangieren die Rückspiegel einklappen…

Tartu

Tartu ist die wichtigste Universitätsstadt Estlands, Studenten machen ein Siebtel der Einwohner aus. Entsprechend lebhaft geht es auf den Straßen der Stadt zu. Zudem finden hier am Wochenende eine Motocrossrallye (davon später mehr) und ein Triathlon statt. Auf dem schönen Rathausplatz mit den klassizistischen Fassaden ist eine Bühne aufgebaut und es wird lautstark für die Präsentation von Pressekonferenz, Start, Ziel und Siegerehrung geprobt.
Im Umfeld stellen viele Autohersteller ihre neuesten Modelle vor. NATO-Soldaten präsentieren zwei Panzer. Friedenstauben haben wir uns anders vorgestellt…

Peipussee

Unser nächstes Ziel ist der Peipussee im Osten Estlands. Er ist der fünftgrößte See Europas, etwa 30 mal größer als die Müritz (Talea hat nachgerechnet). Das gegenüberliegende Ufer ist nie zu sehen.

Die Grenze zu Russland läuft in Nord-Süd-Richtung durch den gesamten See. Wir fahren zunächst an das Nordende, dort entspringt die Narva aus dem See und ist nördlich verlaufend ebenfalls im Grenzverlauf. Auf der anderen Seite des Flusses weht ein überdimensionales russisches Banner.
Im kleinen Örtchen Vasknarva gibt es ein russisch-orthodoxes Kloster…

Kloster Pühtitsa

Das Nonnenkloster von Kuremäe war 1891 das erste russisch-orthodoxe Kloster auf estnischem Boden. Auch heute noch beten und arbeiten etwa einhundert Schwestern hier. Die Wohnhäuser, kleine Kapellen, ein Gästehaus und die Wirtschaftsgebäude umschließen als Siedlung die zentrale Klosterkirche. Die Schätze im Inneren der Kirche machen auf uns einen wertvollen Eindruck. Die alten Gemälde sind durch vergoldete Masken geschützt und verglast. Die Klosteranlage ist für jederman zu besichtigen, in die Häuser der Nonnen kann man natürlich nicht hineinschauen.
Auf dem Friedhof vor den Klostermauern stehen unzählige Metallkreuze für die verstorbenen Nonnen, deren Rang innerhalb der Gemeinschaft sorgfältig auf dem silbernen Plättchen vermerkt ist…

Ostsee Steilküste

Östlich vom Nationalpark Lahumaa folgt ein großes Kalksteinplateau, das bis zu 55m über dem Meeresspiegel liegt. Wo die Ostsee auf den Fels trifft, ist eine interessante Steilküste entstanden. Die Küste hier ist der höchste Teil des berühmten baltischen Steilufers, das über 1100 km lang ist, in Schweden auf der Insel Öland beginnt und bis zum Ladogasee in Russland reicht. Das Kalksteinufer verläuft vom Dorf Saka bis zur Bucht Toila auf einer Länge von fast 23 km und ist somit der längste ununterbrochene Teil der Steilküste.

Aus gebrochenen Kalksteinen wurde im 15. Jahrhundert die sagenumwobene Burg von Toolse gebaut zum Schutz des unter der Burg liegenden Hafens von Rakvere, von dem aus schon damals Handel mit Finnland getrieben wurde…

Altja

In der Bucht von Käsmu – also zwischen Ringfinger und kleinem Finger – gibt es den feinen Badeort Võsu: gepflegte Holzhäuser und ein breiter Sandstrand. Zum Baden ist es allerdings zu kalt. Das Angebot auf dem kleinen Gemüsemarkt ist völlig überteuert, es bleibt bei einem Pfund grünen Erbsen für Ute.

Im Norden der Halbinsel fahren wir durch alte Fischerdörfer mit weit verstreut liegenden Gehöften. Es ist, als sei die Zeit stehen geblieben. Nur die Autos haben die Pferdegespanne abgelöst…

Käsmu

Der Ringfinger ist die Halbinsel Käsmu. Auf dem Weg dahin findet Gretel jede Menge Pfifferlinge während Hänsel in der Röhre schmort. Außerdem besuchen wir noch einen großen Kivi und ein Gutshaus in Palmse. Es gibt sehr viele Gutshäuser aus dem 19. Jahrhundert in Estland, manche sind aufwändig restauriert, andere zum Hotel umgewandelt oder eben mehr oder weniger verfallen wie in Kolga…

Juminda und Pärispea

Zum Nationalpark Lahemaa gehören auch vier Halbinseln, die wie die Finger der rechten Hand in die Ostsee ragen.

Bevor wir die erste Halbinsel Juminda erreichen, beobachten wir ein Schiffsmanöver. Zwei Schiffe der Küstenwache bergen einen offenbar manövrierunfähigen Frachter unterstützt von mehreren Hubschraubern. Der Frachter wird dann in den nächsten Hafen geschleppt. Oder war es gar ein Schmuggler, der da aufgebracht wurde…

Kahala, Viru, Kolga

Nach soviel Kultur und Tourismus fahren wir in östliche Richtung um den nächsten Nationalpark zu erreichen. Unterwegs machen wir an einem alten Turm in Kiiu halt. Heute ist hier ein Café untergebracht, das von zwei Frauen betrieben wird. Zu selbst gebackenem Kuchen und guten Kaffee erzählen sie die Geschichte des Turms und die ihres eigen Lebens: aufgewachsen hier im Ort, Studium in Tartu, Arbeit als Agrarspezialistin in der Kolchose, Feier der Unabhängigkeit Estlands, Arbeitslosigkeit, selbständige Arbeit im Café, Strom und Wasser werden immer teurer…
Der Turm hat drei Stockwerke. Im ersten ein achteckiger Tisch der gut in den Raum passt, im zweiten wohnen sieben oder mehr Zwerge und ganz oben lebt Rapunzel…

Tallin

Etwa jeder dritte Bürger Estlands wohnt in Tallin. Dennoch gehört den Touristen die deutliche Mehrheit in der Altstadt (Weltkulturerbe), jedenfalls wenn vier Kreuzfahrtschiffe im Hafen vor Anker liegen. Das Angebot an die Besucher ist hier entsprechend groß – unzählige Souvenirläden, Bernstein und Strickwaren jeder Art…
Uns gefällt die Stadt sehr: historische Gebäude vom Mittelalter bis zur Hanse, die sehr gut erhaltene Stadtmauer mit ihren zahlreichen Türmen, enge Gassen und bunte Boulevards, der Domberg mit den Regierungsgebäuden, die prunkvolle Alexander-Newski-Kathedrale…

Insel Hiiumaa

Auch auf diese Insel ist vor 455 Millionen Jahren ein Meteorit niedergegangen. Der Krater ist nur für Geologen erkennbar und hat einen Durchmesser von 4000 Metern. Er ist der besterhaltene Meteoritenkrater des Erdaltertums in der Welt.

Ein kleiner Spaziergang führt uns entlang des Roten Baches, der sich in seinem tiefen Tal durch den Wald schlängelt. Das Wasser ist tatsächlich rostrot, vielleicht ist der Meteorit ja ebenfalls aus Eisen gewesen? Jedenfalls findet Ute die ersten reifen Blaubeeren, mmh.

Zum Schutz der Schifffahrt vor der hier oft rauen See und nahen Küste gibt es jede Menge Leuchttürme…

Insel Saaremaa

Vor etwa 4000 Jahren stürzte ein Meteorit auf die Insel. Das größte Stück davon bestand aus mindestens 20 Tonnen Eisen und Nickel (Edelstahl?) und schlug mit über 3000 km/h ein 65m tiefes Loch in das Gestein. Noch heute ist der Krater des achtgrößten bekannten Meteoriteneinschlags der Erde beeindruckend. Immerhin ist der See in der Mitte noch über 20m tief.

Der bedeutendste Feiertag auf dem Baltikum wie auch in Skandinavien ist Mittsommer…

Insel Muhu

Bevor es übers Wasser geht, besuchen wir noch drei alte Eichen an der Ostseeküste. Die Bäume sind über 600 Jahre alt und stehen in einer malerischen Landschaft. Typisch sind hier die Wacholdersträucher und die bunten Wiesen dazwischen. Der Abstecher über eine Schotterstraße hat sich wieder einmal sehr gelohnt.

Das Fährticket haben wir im Internet gebucht. Am Hafen sind wir zu früh, die freundliche Elektronik erkennt unser Autokennzeichen und lässt uns auf das Schiff. Nach einer halben Stunde sind wir auf der Insel Muhu, die kleinste der großen Inseln vor Estland in der Ostsee…

Soomaa Nationalpark

Das Wetter ist gut. Der Wind hat die Wolken vertrieben, die Temperaturen sind zunächst bei 23° sommerlich angenehm, später doch ziemlich warm. In Estland freuen wir uns zunächst über die für uns etwas lustig klingenden Vokabeln, „Rattarada“ ist ein Fahrradweg, ob holprig oder nicht.

Mit ein paar Zwischenstopps sammeln wir erste Eindrücke und fahren dann in den Nationalpark Soomaa und unternehmen eine erste kurze Wanderung. Elche, Bären, Bieber und Luchse seien hier zu Hause, uns begrüßen stattdessen gefräßige Mücken, Bremsen und andere gefährliche Flügeltiere. Wir wehren uns später mit einem Mückenfeuer auf einem Biwakplatz mitten im Park, den wir ganz für uns zur Übernachtung haben…

Rigaer Bucht II

Zurück an die Ostsee.
In der Nähe von Tuja finden wir einen Campingplatz, der uns gefällt. Wir stehen direkt an der Düne und erleben um halbelf einen klassischen Sonnenuntergang.

An nächsten Tag schauen wir uns die die roten Klippen und Höhlen am Ostseestrand an. Es ist wieder der rote Sandstein, den wir an der Gauja bereits kennengelernt haben. Am Strand hat die Eiszeit große Steine aus dem hohen Norden importiert…

Gauja Nationalpark

Nach soviel Kultur geht es nun wieder zurück in die Natur. Der Nationalpark nicht weit entfernt von der Hauptstadt trägt den Namen des Hauptflusses Gauja, der sich in seinem natürlichen Flussbett durch die Wälder windet.

Es gibt viel zu sehen und wir genießen die Stille und Ursprünglichkeit der Natur. Sehr schön auch die alten Holzhäuser. Mit einer alten hölzernen Seilfähre kann man über den Fluss setzen. Das wackelt mächtig, wenn da ein Auto auffährt. Aber offensichtlich kommt alles trocken und sicher an das andere Ufer…

Riga

Um vom Stellplatz zur Rigaer Altstadt zu gelangen, überqueren wir die Dougava kurz vor ihrer Mündung in der Ostsee. Ein breiter Fluss, dessen Wasser von seiner Quelle in Russland bis hierher mehr als 1000 km zurückgelegt hat. Die Altstadt ist beeindruckend anders. Von jeder Ecke, von jedem Platz nach jeder Straßenbiegung blickt man auf neue interessante Fassaden, schöne Ensembles und historische Perlen der Architektur. Dennoch wirkt alles leicht…

Sabile

Heute unternehmen wir einen Kurzausflug nach Sabile. Der Ort selbst ist nicht sonderlich sehenswert, seine Bewohner aber sind besonders kreativ.
Eine Omi fertigt lebensgroße Strohpuppen, steckt sie in Kleider und gruppiert sie zu verschiedenen Szenen. Sehr originell und hübsch anzusehen. Über 200 Puppen sollen es sein, nachgezählt haben wir nicht.
Dann werfen wir einen Blick auf den Weinberg des Ortes. Im Guinessbuch hält er (noch) den Rekord des nördlichsten Weinbergs der Welt. 650 Rebstöcke liefern immerhin soviel Wein, um beim jährlich stattfindenden Weinfest die Kehlen zu befeuchten. Ansonsten gibt es eine Ciderkelterei im Ort, die nicht nur Äpfel verarbeitet sondern sämtliche hier wachsenden Obstarten und Beeren.
Uns zieht aber besonders die Freiluftgalerie von Pedvale an, gleich hier um die Ecke. Der Künstler Ojars Feldbergs hat auf den Wiesen seines Bauernhofs eine großzügige Freiluftgalerie geschaffen. Kunstwerke vorwiegend aus Stein und Metall sind weit über das Gelände verstreut. Das Zusammenspiel der hügeligen Landschaft und der Kunstwerke erzeugt eine ganz eigene Stimmung. Einmal im Jahr findet ein Plainair mit geladenen Künstlern aus aller Welt statt, deren Werke die Ausstellung ergänzen. Besuch unbedingt empfehlenswert. Der zweistündige Rundpfad beginnt mit dem Durchschreiten des Schwarzen Loches – Hawking hätte seine Freude daran gehabt.
Bei über 100 Kunstwerken fällt die Auswahl schwer. Viel Spaß beim Betrachten der Bilder.
Am Nachmittag kehren wir zum schönen Platz an der Abava zurück. Am Abend gibt es dann wieder ein kühlendes Gewitter.

Wetter 24°wechselnd bewölktGewitter

Essen Geräuchertes Kotlett vom Schwein, Reis und gelbe Kokossoße

Weißwein Weingut Hey (Saale-Unstrut) – Gutedel


Livland

Weiter geht es entlang der Osteeküste durch die livischen Dörfer. Liven sind eine Volksgruppe, die überwiegend als Fischer in der Gegend um Kolka gelebt haben, sie sprechen eine eigene Sprache. Die sowjetischen Machthaber verboten den Fischern das Fischen auf dem Meer (grotesk) und zerstörten ihre Boote, weil man mit diesen bis nach Schweden gelangen könne. Damit war den Fischern die Lebensgrundlage genommen, sie verließen ihr Land. Heute findet man in einigen Dörfern noch alte Häuser, andere sind aufwendig restauriert oder neu gebaut – wohl nicht von den armen Fischern. Es gibt noch etwa 200 registrierte Liven in Lettland…

Zauberwald und Moor

Am Abend parken wir vor dem Infozentrum des Naturparks Pokaini mez – dem heiligen Wald von Pokaini. Nachdem die letzten wenigen Besucher ihren Abendspaziergang absolviert haben, sind wir vollkommen alleine mit den Fröschen, den Vögeln und ein paar Geräuschen von „wilden“ Tieren, die Ute hört. Am Morgen wecken uns die früh aufstehenden Sänger, ein Storch sucht am Teich nach dem Frühstücksfrosch.
Durch den Zauberwald führen verschlungene Pfade, eine Karte soll uns vor dem Verirren retten – ein Wollknäuel haben wir nicht dabei…

Schloss Rundāle

Als Perle der historischen ländlichen Architektur in Lettland gilt das Barockschloss Rundāle. Mit Versailler Inspiration entstand im 18. Jahrhundert ein prächtiges dreiflügeliges Schloss mit 138 Zimmern und Sälen. Auftraggeberin war die russische Zarin Anna Iwanowna, die es dem kurländischen Herzog Ernst Johann Biron als Sommerresidenz zur Verfügung stellte.

Nach Verfall, Umnutzung und Zerstörung wurde es beginnend in den 1930er Jahren aufwändig restauriert – die Arbeiten dauerten 80 Jahre an.
Das Ergebnis hat uns sehr überzeugt…

Litauens Norden

Wir lassen Klaipeda links liegen und fahren wieder in das Landesinnere. Die Ostseestrände werden wir später erkunden.

Holzhäuser prägen das ländliche und teilweise auch städtische Bild in Litauen. Und es gibt auch wunderschöne Holzkirchen wie etwa die grüne Kirche Sv. Luryno in Kalnalio. Leider können wir nicht rein, eine betagte Frau hat gerade gewischt. Als Trost zeigt sie uns dem Weg zum Aussichtsturm. Auch Aussichtstürme sind beliebt in Litauen.

Zemaitijos Nationalpark bleiben wir gleich für zwei Nächte am glasklaren Plateliaisee. Gevatter Storch begrüßt uns – leider haben wir keine frischen Frösche dabei.
Das kalte Wasser schreckt Ute nicht ab, naja, es muss ja nicht jedem gefallen.
Wir unternehmen eine Radtour um den See, etwa 25km. Es geht durch herrliche Natur, am Wegesrand blühen Orchideen. Später dann passieren wir ein Gelände mit vier Abschusssilos für Atomraketen, die Dinger sind glücklicherweise nach den SALT-Abkommen in den 70er Jahren verschrottet worden. Heute Museum, ruft uns aber nicht.
Viele Campingplätze sind rund um den See entstanden, auch Ferienanlagen. Gäste sehen wir keine – es ist Vorsaison.

Wetter 26°sonnig

Essen Pelmeni

Unser erstes Ziel am nächsten Tag ist der Berg der Kreuze. In der frühen Geschichte wurde der Berg als heidnische Opferstätte genutzt. Während der Aufstände der litauischen Bevölkerung gegen die russischen Besatzer  im 19. Jahrhundert begann man auf dem Berg Kreuze für Angehörige zu errichten, deren Gräber man nicht kannte. Hinzu kamen später Kreuze für die Opfer der Stalinregierung. 1961 und Anfang der 70er wurden die Kreuze mehrfach durch die Machthaber plattgewalzt – jedoch schon am nächsten Morgen standen neue Kreuze auf dem Berg. Dieser fromme Widerstand wurde auch durch eine Predigt des Pabstes vor Ort gewürdigt. Heute ist der Berg ein Touristenmagnet und die Zahl von Zehntausenden errichteten und abgelegten Kreuze erhöht sich täglich. Wer sein Kreuz zu Hause vergessen hat, kauft sich eins für 2 bis 15 Euro am Souvenierstand…

Wir übernachten 100 km weiter östlich beim Biobauern in Pajiemenau. Kees und seine Frau Daiva empfangen uns sehr freundlich. Wir finden einen schattigen Platz im liebevoll gestalteten Garten und sind mit allem versorgt, was ein Camper hin und wieder braucht: Dusche, frisches Wasser usw.. Später kommen noch vier Motorradfahrer aus Bautzen, die begeistert von unserem Wohnmobil sind. Die Hitze macht ihnen mehr zu schaffen als uns – wir haben eine Klimaanlage.

Wetter 29°sonnig

Essen  geräucherter Ostseedorsch

Am Donnerstag wird gut gefrühstückt. Dann fahren wir in die Bierstadt Biržai, hier gibt es vier Brauerein. Da wir aber nicht einkehren wollen und können, kaufen wir uns eine große Flasche Bier. Wir besuchen noch das Schloß am See und schauen auf die imposante 500m lange Holzbrücke über den See.
In Richtung Lettland geraten wir ungewollt auf eine Schotterstraße. Der innereuropäische Grenzübergang besteht lediglich aus einem Hinweisschild auf dem Feld.
Am Abend kehren wir dann die Hälfte der Schotterstraße vom Wohnmobil ab, die Fahrräder bekommen auch ihren Teil ab. Das wird nicht das letzte Mal sein.


Kurische Nehrung

Die Memel verzweigt sich in mehrere Mündungsflüsse, die ihr Wasser dann in das Kurische Haff entlassen. Das Haff ist von der Ostsee getrennt durch eine schmale, im Mittel 2 km breite Insel von etwa 50 km Länge, die sich von Klaipeda im Norden bis in die Nähe von Kaliningrad im Süden. Die Insel wird heute Kurische Nehrung W genannt und gehört zum Weltkulturerbe.
Wir wollen vom kleinen Hafen Minja auf die Nehrung übersetzen und nur unsere Fahrräder mitnehmen. Am Vorabend treffen wir auch Heike und Siggi, mit denen wir die Überfahrt gemeinsam unternehmen.
Unser Motorboot „Forelle Flicka“ wurde in der VEB Yachtwerft Berlin gebaut und war als Seeschwalbe in Stralsund unterwegs und später als „Flicka“ im Heimathafen Wolgast registriert – so stehts auf dem Rettungring. Die Alarmklingel im Gang wurde im VEB RFT Fernmeldewerk Leipzig hergestellt, als „Rasselwecker“. Und wir sind heil zur Kurischen Nehrung in den Hafen Nida und wieder zurück gekommen – ist eben Qualität.
Wir haben uns Nida angeschaut. Thomas Mann hat hier ein sehr schönes Haus bewohnt, allerdings musste er es nach zwei Jahren schon wieder aufgeben, als er 1933 ins Exil getrieben wurde. Dominierende Hausfarbe in Nida ist Rot mit blauen Akzenten und weißen Fenstern. Mit dem Fahrrad haben wir noch eine schöne Tour Richtung Norden unternommen (im Süden steht der russische Grenzsoldat). Es gibt sehr viele Ferienwohnungen für Urlauber, die absolute Ruhe suchen.
Zum Schluß haben wir die etwa 40m hohe Parnidder Düne erklommen. Ganz oben verrichtet eine hohe steinerne Sonnenuhr ihre Arbeit.
Die Nacht verbringen wir in der Nähe des Leuchtturms von Verne. Hier werden mit drei großen Netzen Vögel gefangen. Sie werden nicht gebraten sondern von Ornithologen registriert und beringt. Das Haff verabschiedet sich mit einem stimmungsvollen Sonnenuntergang.

Wetter 22°sonnig

Essen geräucherte Lachsforelle aus der Ostsee


Entlang der Memel

Die Memel (Nemunas) als wichtigster Fluß Litauens hat unseren Weg schon mehrmals gekreuzt, nun folgen wir ihr in Richtung Westen bis zur Mündung.
Zunächst verläuft unsere Straße parallel zum Fluß. Die Memel ist nicht begradigt, verläuft majestätisch in großen Schleifen durch die Landschaft. Es gibt keine hohen Dämme, die Auen haben unmittelbaren Anschluss an das Wasser. Es ist ein schöner Fluss. Wir genießen die Fahrt, stoppen hin und wieder in kleinen Orten am Hochufer.

Die Nacht verbringen wir am Fähranleger in Vilkija. Gerade eben aus Nürnberg angereist sind Heike und Siggi, die wir in den nächsten Tagen noch öfter treffen werden.

Die nächste Nacht verbringen wir auf dem Zeltplatz „Honigtal“. Eine schöne Wiese, wir können unseren Platz aussuchen – die Saison hat noch nicht begonnen. Wir lernen ein Ehepaar aus Zürich kennen, die wir bestimmt noch öfter treffen – gleicher Reiseführer, gleicher Zeitplan.

In Bitenai besichtigen wir eine sehenswerte Freiluftgalerie mit Werken, die in jährlich stattfindenden Workshops entstanden sind.
Interessant ist vor allen Dingen aber eine Storchenkolonie, die in einem Kiefernwäldchen des Dorfes nistest. Eigentlich sind Störche Einzelgänger und eigentlich nisten sie nicht in Bäumen – hier haben die Bewohner durch Angebote von Nisthilfen etwas nachgeholfen. Jedenfalls klappert es schön. Störche gibt es hier in Litauen wirklich viel – Jedes Dorf und jedes einzeln stehende Gehöft hat mindestens ein bewohntes Storchennest, toll.
Nicht weit von hier gibt es am Hochufer einen wunderbaren Aussichtsplatz, vor ein paar Hundert Jahren für rituelle Zwecke genutzt, ein (künsterisch restaurierter) Opferstein zeugt davon. Wir blicken über die Memel hinweg bis nach Kaliningrad.

Vom früher ostpreußischen Smalininkai bis zur Mündung der Memel in das Kurische Haff verläuft die Grenze zwischen Litauen (Europäische Union) und dem Kaliningrader Bezirk (Russland) in der Mitte des Flusses. In Rusné wird die kleine Halbinsel auf der anderen Seite gut bewacht.

Wetter 17°sonnig und zeitweise Regen

Essen Gepökelte Hühnerkeulchen (Hühnereisbein)


Kaunas

Wie viele andere Orte in Litauen hat auch Kaunas eine bewegte Geschichte. Jedenfalls war Kaunas auch mal Hauptstadt von Litauen, als Vilnius mal eben für 20 Jahre abwesend in Polen war.

Uns hat die liebenswerte Stadt sehr gut gefallen: ein wunderbares Stadtbild mit dem geräumigen Rathausplatz, die Flaniermeile mit historischem Buckelpflaster, kleine Plastiken überall, originelle Wandmalereien (Street-art), Bäckereien – da musste Torsten rein, der Park an der Memel und die Hofgalerie (ein wichtiger Grund, nach Kaunas zu kommen!). Die Burg von Kaunas ist viel weniger attraktiv als die von Trakai und museal schlicht ein Flop. Unbedingt besuchenswert: die Hofgalerie!

Wetter 22°sonnig

Essen Nudeln mit Tomatensoße und Parmesan (endlich!)


Die Hofgalerie ist nichts weiter als ein Hinterhof, der von einem künstlerisch begabten Anwohner originell gestaltet wurde. Nach und nach leisteten Künsterkollegen weitere Beiträge. Unsere Begeisterung wird durch die Zahl der Fotos reflektiert. Die dort wohnenden Mieter grüßten höflich zurückhaltend.

Am Abend legen wir in Vilkija am Fähranleger an. Sehr schöner und ruhiger Schlafplatz mit Blick auf den Fluß. Hier verkehrt eine der wenigen Fähren über die Memel. Vilkija ist ihr „Heimathafen“.


Annenkirche und Kloster

Vilnius

Vilnius ist die Haupstadt Litauens, hat etwa 570.000 Einwohner und ist in diesem Sinne vergleichbar mit Leipzig.

Wir finden einen komfortablen Stellplatz im Hof der hippen Jugendherberge „Downtown Forest“. Unsere Nachbarn kommen aus Dänemark, Polen, Holland, Finnland, Österreich, Chemnitz und Paderborn. Die Altstadt von Vilnius ist zu Fuß in fünf Minuten zu erreichen, vom Zeltplatz wäre es eine längere Tour mit dem Bus gewesen. Also alles prima.

Auf unserem Weg in die Altstadt queren wir den Stadtteil Užupis. Hier wurde 1997 die freie und unabhängige „Republik UžupisW gegründet von den hier lebenden Künstlern, Hausbesetzern und Säufern. Die Republik hat sich eine Verfassung mit 42 Paragraphen gegeben, die sich etwas anders lesen als üblich. §21: Jeder Mensch hat das Recht, seine Nichtigkeit und seine Größe zu begreifen. Direkt am Ufer der Vilna gibt es eine bunte Galerie, in der mehrere Künstler arbeiten. Den Hauptplatz ziert das Wahrzeichen der Stadt, der Engel von Užupis. Dort finden wir eine Szenekneipe. Ansonsten gibt es ein paar Galerien, einen beliebten Pizzabäcker, ein Weinrestaurant usw. – wie woanders auch. Nachdem wir vorher schon die Freistadt Christiania (Kopenhagen) und Plagwitz kennengelernt haben, sehen wir unsere Erwartungen etwas enttäuscht. 23 Uhr wird das Licht ausgeknipst, vorher wurde uns angeboten, den Rest Wein aus unserem Glas in Plastikbecher umzufüllen :(.

Auf in die Altstadt. Auffallend ist die große Zahl der Kirchen in vielen Baustilen und mit Eigentümern verschiedenster Konfessionen. Mehr als 50 geweihte Gebäude befinden sich in der Stadt, meist schon über längere Zeit. Die kleine Annenkirche aus Backsteinen hat Napoleon so gut gefallen, dass er sie nach Paris mitnehmen wollte. Daraus ist freilich nichts geworden.
Es macht Spaß, durch die Gassen zu schlendern. Wir steigen auf den Glockenturm der Kathedrale, ganz schön laut das Gebimmel. Die Universität ist eine der ältestens Europas und in einem interessanten Gebäudekomplex mit 12 Innenhöfen untergebracht. Wir finden das weltweit erste Denkmal für Frank Zappa. Aber auch die kleine Backstube – dort kaufen wir einen Litauischen Baumkuchen, etwas ganz anderes als bei uns.
Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Trakai.

Wetter 22° malsonnigmal bedeckt

Essen im Restaurant: nahrhafte Litauische Küche, Kwas.

Litauen – der Süden

Unser erster Eindruck: Litauen ist freundlich.
Kurz hinter der Grenze wissen wir von einer Wasserquelle und wollen dort unsere Vorräte auffüllen. Ute wird von einem litauer Bürger angesprochen: ihr Kanister sei viel zu klein, er kommt mit großem Kanister hergefahren. Das Wasser schmeckt seinen Hunden besonders gut, große russische Hunde. Wir sind immerhin rund 1000 km gefahren, um unseren kleinen Kanister zu füllen – das Wasser ist kühl und schmeckt gut.
Im ersten Ort Lazdijai kaufen wir für das Wochenende ein. An der Fischtheke wird hilfsweise russisch gesprochen. Die Kassiererin borgt sich bei ihrer Kollegin eine Kundenkarte, damit wir ein paar Rabatte bekommen – das Moskauer Eis gibt es nun für 33 Cent – prima.
Am Zeltplatz werden wir ebenfalls freundlich empfangen, eigentlich ist erst ab Juni geöffnet. Warm duschen dürfen wir im gerade nicht belegten Gästehaus. Wir stehen am Ufer des Dusiasees im 1992 ausgerufenen Naturschutzgebiet und genießen die Natur und die Ruhe. Wir sind beinah die einzigen Gäste, ein paar wenige nutzen die Bungalows.
Am Abend erfüllt ein immer dichter werdendes nicht lokalisierbares Summen den Raum. MÜCKENALARM. Wolken von Mücken verschiedener Arten verdunkeln die untergehende Sonne. Die Flügeltiere sind allerdings eher mit sich beschäftigt. Ute wird – wie immer – mit ein paar Stichen bedacht, Torsten geht leer aus.

Essen geräucherte Makrele, geräucherte Lachspastete, litauisches Roggenbrot.

Am Sonnabend unternehmen wir eine kleine Fahrradtour. Im Konsum des alten Fischerdorfes gibt es auch Eis.
Der Aussichtsturm ist als hyberbolische Schale konstruiert, die Stabilität dieser Form wusste schon Gaudi zu schätzen. Seeadler, Eidechsen und Landschildkröten soll es hier geben, gesehen haben wir immerhin Störche, Gänse und Kleinvieh sowie Kleinstvieh.
Eine wunderbare Landschaft, wir fühlen uns wohl.

Wetter 21°leicht bewölkt

Essen aus der Bordküche: Lammlachs Sous-Vide, mediterraner Nudelsalat.

Es geht weiter. Zunächst in den Kurort Druskininkai. Eine Mischung aus mondäner Kurhausarchitektur aus Holz, Hotels aus der sozialistischen Zeit in Plattenoptik und neueren Gebäuden mit geschmeidiger Architektur. Sehr gepflegte Parkanlagen am Ufer der Memel. Der Kaffee in der Boulangerie ist günstig und schmeckt leider auch so.
User nächstes Ziel ist der Grutas Park. Die gestrigen Helden und Vorbilder sind als Sammlung ausgedienter Monumentaldenkmale und unzähliger Büsten mit den Konterfeis von Marx, Engels, Lenin und Co. zu sehen, insbesondere auch der litauischen Gefolgsleute der Sowjetmacht. In Stein gehauhene Geschichte. Aber es gibt auch eine kleine Ausstellung, die sich mt den antisowjetischen Widerständlern und deren traurigen Schicksalen befasst.
Wir durchqueren den Dzukija Nationalpark. Ausgedehnte Wälder, Seen und Moorgebiete bestimmen das Landschaftsbild. Das abwechslungsreiche Maiengrün tut den Augen wohl. Überwiegend alte Holzhäuser sind in den kleinen Orten der Region zu sehen. In Trasnikas ist wohl die Zeit vor 100 Jahren stehen geblieben. Bewohner des Ortes sind allerdings rar.
In Merkiné besteigen wir eine Aussichtsplattform und schauen hinunter auf die Auen der Memel, die in der Landessprache Nemunas heißt. An deren Ufer finden wir auch einen ruhigen Übernachtungsplatz.

Wetter 17°leicht bewölkt

Essen klassische Camperkost: Reis, Letscho, Jagdwurst.