Kahala, Viru, Kolga

Nach soviel Kultur und Tourismus fahren wir in östliche Richtung um den nächsten Nationalpark zu erreichen. Unterwegs machen wir an einem alten Turm in Kiiu halt. Heute ist hier ein Café untergebracht, das von zwei Frauen betrieben wird. Zu selbst gebackenem Kuchen und guten Kaffee erzählen sie die Geschichte des Turms und die ihres eigen Lebens: aufgewachsen hier im Ort, Studium in Tartu, Arbeit als Agrarspezialistin in der Kolchose, Feier der Unabhängigkeit Estlands, Arbeitslosigkeit, selbständige Arbeit im Café, Strom und Wasser werden immer teurer…
Der Turm hat drei Stockwerke. Im ersten ein achteckiger Tisch der gut in den Raum passt, im zweiten wohnen sieben oder mehr Zwerge und ganz oben lebt Rapunzel…

Tallin

Etwa jeder dritte Bürger Estlands wohnt in Tallin. Dennoch gehört den Touristen die deutliche Mehrheit in der Altstadt (Weltkulturerbe), jedenfalls wenn vier Kreuzfahrtschiffe im Hafen vor Anker liegen. Das Angebot an die Besucher ist hier entsprechend groß – unzählige Souvenirläden, Bernstein und Strickwaren jeder Art…
Uns gefällt die Stadt sehr: historische Gebäude vom Mittelalter bis zur Hanse, die sehr gut erhaltene Stadtmauer mit ihren zahlreichen Türmen, enge Gassen und bunte Boulevards, der Domberg mit den Regierungsgebäuden, die prunkvolle Alexander-Newski-Kathedrale…

Insel Hiiumaa

Auch auf diese Insel ist vor 455 Millionen Jahren ein Meteorit niedergegangen. Der Krater ist nur für Geologen erkennbar und hat einen Durchmesser von 4000 Metern. Er ist der besterhaltene Meteoritenkrater des Erdaltertums in der Welt.

Ein kleiner Spaziergang führt uns entlang des Roten Baches, der sich in seinem tiefen Tal durch den Wald schlängelt. Das Wasser ist tatsächlich rostrot, vielleicht ist der Meteorit ja ebenfalls aus Eisen gewesen? Jedenfalls findet Ute die ersten reifen Blaubeeren, mmh.

Zum Schutz der Schifffahrt vor der hier oft rauen See und nahen Küste gibt es jede Menge Leuchttürme…

Insel Saaremaa

Vor etwa 4000 Jahren stürzte ein Meteorit auf die Insel. Das größte Stück davon bestand aus mindestens 20 Tonnen Eisen und Nickel (Edelstahl?) und schlug mit über 3000 km/h ein 65m tiefes Loch in das Gestein. Noch heute ist der Krater des achtgrößten bekannten Meteoriteneinschlags der Erde beeindruckend. Immerhin ist der See in der Mitte noch über 20m tief.

Der bedeutendste Feiertag auf dem Baltikum wie auch in Skandinavien ist Mittsommer…

Insel Muhu

Bevor es übers Wasser geht, besuchen wir noch drei alte Eichen an der Ostseeküste. Die Bäume sind über 600 Jahre alt und stehen in einer malerischen Landschaft. Typisch sind hier die Wacholdersträucher und die bunten Wiesen dazwischen. Der Abstecher über eine Schotterstraße hat sich wieder einmal sehr gelohnt.

Das Fährticket haben wir im Internet gebucht. Am Hafen sind wir zu früh, die freundliche Elektronik erkennt unser Autokennzeichen und lässt uns auf das Schiff. Nach einer halben Stunde sind wir auf der Insel Muhu, die kleinste der großen Inseln vor Estland in der Ostsee…

Soomaa Nationalpark

Das Wetter ist gut. Der Wind hat die Wolken vertrieben, die Temperaturen sind zunächst bei 23° sommerlich angenehm, später doch ziemlich warm. In Estland freuen wir uns zunächst über die für uns etwas lustig klingenden Vokabeln, „Rattarada“ ist ein Fahrradweg, ob holprig oder nicht.

Mit ein paar Zwischenstopps sammeln wir erste Eindrücke und fahren dann in den Nationalpark Soomaa und unternehmen eine erste kurze Wanderung. Elche, Bären, Bieber und Luchse seien hier zu Hause, uns begrüßen stattdessen gefräßige Mücken, Bremsen und andere gefährliche Flügeltiere. Wir wehren uns später mit einem Mückenfeuer auf einem Biwakplatz mitten im Park, den wir ganz für uns zur Übernachtung haben…